Creeper Cards are not about the asshole’s feelings

Die Diskussion um die die Creeper Cards des letzten Kongresses kommt natürlich wieder auf.
Ich habe vielen Leuten wegen meiner rigorosen Meinung inzwischen versprochen diese doch mal zu verbloggen – voila!
Die Geschichte ist einfach: Creeper Cards werden von einer gewissen Seite kritisiert (oder eher: verarscht), weil sie nicht das Gespräch zwischen den beteiligten Fronten fördern. Dieses Argument ist ganz ehrlich privilegierte Drecksscheiße.
Denn reduziert man die Situationen, in denen sie verteilt werden, dann passiert da folgendes:
Jemand belästigt eine Person. Diese fühlt sich sehr unwohl, kann sich evtl nicht mit Worten oder selbstbewussten Taten wehren.
(Belästigungen finden häufig in einem Machtgefälle statt – wie können wir erwarten, dass eine Person, die per Situation unterlegen ist sich in diesem Moment wehren kann. Besonders, wenn es wieder passiert. Und wieder. Und wieder.) Die Karten sind eine leichte Methode ohne Worte und vermeintlich sozial anerkannt (wenn sie auf dem Kongress verteilt werden, war ihnen eine gewisse soziale Funktion zu gedacht), klar zu machen, dass man sich unwohl fühlt. Das Ziel dieser Karten ist für die Person aus der Situation zu entkommen, die ihr unangenehm ist. Damit geht die Kritik, sie würde nicht genug erklären oder Diskussionen anregen, komplett unsinnig. Ein Gespräch fällt der betroffenen Person ja durch das Machtgefälle schwer. Außerdem geht es bei dieser Kritik sicher nicht darum, Diskussionen zu ermöglichen – es geht um die Gefühle der Übergreifenden. Dass sie ja nicht wissen können, was sie falsche gemacht haben (wobei die Karten da ja hinweise geben) – wahrscheinlich auch, dass sie sich nicht rechtfertigen können.
Und verzeiht den Vergleich, aber ich denke nicht, dass manche es anders verstehen – fragen wir nach den Gefühlen und Gründen von Vergewaltigern? Stellen wir sie mit ihren Opfern in einen Raum, damit es sich anhören muss, wie es vielleicht Unrecht damit hatte sich vergewaltigt (hier also belästigt) zu fühlen. Nein, tun wir nicht. Wir begreifen, dass es in solchen Fall darum geht, das Opfer zu schützen. Wenn es anfängt sich rechtfertigen zu müssen (war der Rock zu kurz?), dann erkennen wir das als Victim Blaming.
Warum nicht auch im Fall der Creeper Cards?
Warum begreifen die Menschen, die Kritik daran üben nicht, dass es nicht um sie geht. Nicht um ihre Gefühle und Unzulänglichkeiten? Sondern um den Schutz von Leuten, die sich unwohl fühlen und allein durch das Gefühl das Recht dazu haben in Ruhe gelassen zu werden.
Dieser Kritikpunkt kommt aus einer enorm privilegierten Ecke und er widert mich an.

Wenn es Bedarf daran gibt zu verstehen, was man in Sachen Übergriffigkeit so alles falsch machen kann, dann lassen sich bestimmt Kurse organisieren, die sensibilisieren.
Aber trotzallem akzeptiert man den körperlichen und Erlebensraum von anderen Menschen.
Man akzeptiert, wenn sie sagen “Ich will das nicht” – egal ob mit Karten oder mit Worten.

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Eure Blicke sind meine Waage

Riotmango erwähnte in ihrem Blogpost, dass sie gerne mehr Stimmen von dicken_fetten Leuten hören möchte. Ich weiß nicht, ob ich dazu gehöre. Ich weiß nur, dass mein BMI mich als übergewichtig definiert und alte Frauen auf der Straße meine Schenkel kommentieren. Riotmangos Blogpost bezieht sich auf die Twitter-Aktion #waagnis in dem Menschen dazu aufgefordert werden für den Kampf gegen Fat Shaming ihre Waage aus dem Fenster zu werfen.
Ich habe nun von vornherein keine Waage, aber es macht mich nur bedingt glücklicher.
Es gibt zu viele Dinge, die mich in der Öffentlichkeit oder durch die Medien in den eigenen vier Wänden davon überzeugen, dass ich nicht dünn oder normschön bin.
Die Tatsache, dass ich in vielen Klamottenläden keine Hosen kaufen kann, bei Kleidern oder Oberteilen immer das größte raussuchen muss und so Angst bekomme vor den Zeiten, wo ich noch mehr wiege. Weil ich älter werde, mehr esse, vielleicht Kinder bekommen habe. (Life happens). Kommentare auf der Straße, die finden, dass meine kurzen Hosen Augenkrebs verursachen.
Dass ich mich zwar wage kurze Hosen oder Rücke zu tragen, dies aber immer mit einer Strumpfhose, egal wie warm es draußen sein mag. Auch dumme Anmachsprüche, die meinen Hintern dick und geil finden, nerven mich – denn dafür ist er auch nicht da.
Eine Waage wegzuschmeißen bringt mir also nichts. Es beendet nicht die Diskriminierung.
Und wo ich eben selber nur ein paar Probleme mit meinem Gewicht habe, nervt mich diese Diskriminierung. Mich nervt das Wissen, dass egal, wie wohl ich mich mit meinem Gewicht fühle (es gibt da schwankende Tage und Phasen, aber ich kann es durchaus akzeptieren), ich immer Diskriminierung deswegen erfahren werde.
Mich nervt die Angst, die sich dadurch aufbaut.
Das darüber Nachdenken, was ich anziehe, wie die anderen Leute aussehen die da hingehen (ich überlegte beim Unisport mal Ballett zu machen, aber mich mit schlanken Hipster-Mädchen in einen Raum zu stellen würde zu viele Komplexe hervor rufen), wer mich sexy finden könnte.
Ich gehe nicht davon aus, dass ich unattraktiv bin. Aber ich vergleiche die Mädchen, die ein Mann haben könnte mit mir und finde dann keinen Grund mehr, warum er mich wollen sollte.
Und wenn ich an einer Frau Interesse habe, dann vergleiche ich mich mit ihr und wie fett ich neben ihr wirken würde.  Da hat sie es also geschafft, die liebe Gesellschaft, dass ich mich selbst reduziere. (Auch, dass ich hier auf das Geschlecht reduziere, aber Körperlichkeiten misst man an Körperlichkeiten. 😦 ).
In letzter Zeit gibt es ein paar kleine Perlen in meinem Leben – ein paar Leute auf facebook, die eindeutig fat positiv sind. Ich liebe sie und teile ihre Sachen.
Ich rege mich auf über all die Scheiße, die einem wegen Gewicht erzählt wird. Über jede Serie, in der das dicke Mädchen maximal mit dem dicken Jungen zusammen kommt.
Aber so sehr ich auch dafür kämpfe, dass sich etwas ändert – ich fühle mich manchmal schlecht dabei. Ich möchte verdrängen, dass ich nicht dünn bin. Es fällt mir leichter für Feminismus und gegen Rassismus zu kämpfen, denn Geschlecht und Hautfarbe kann man sich nicht aussuchen. Man ist nicht Schuld.
Aber wenn es um Körperfett und Gewicht geht, dann wird einem auf allen Seiten suggeriert, dass man es sich aussuchen könne. Man tritt dicken_fetten Menschen nicht mit einer Erwartung bezüglich ihrer Charakterzüge entgegen, wie in vielen anderen Fällen von gruppenspezifischer Diskriminierung (Frauen sind hysterisch, Menschen mit Migrationshintergund kriminell), man schreibt ihnen eine gewisse Lebenseinstellung zu. Faulheit, das Setzen von falschen Prioritäten. Und dadurch eben den Unwillen, sich aus der eigenen Lage zu befreien. Als hätte man sich das, samt all der Diskriminierungen selbst ausgesucht. Oder als wären all die Diskriminierungen nur dazu da uns an einen Punkt zu bringen, an dem wir uns so unwohl fühlen, dass wir unser Gewicht von uns aus ändern wollen. Aus der Sicht vieler Menschen sind ihre Aussagen bestimmt Teil des Weltverbesserungsprogramms. Und Weltverbesserung meint bei ihnen Weltverschönerung.
Im wörtlichen Sinne.