Nein, die Pille Danach wirkt nicht unabhängig vom Gewicht

Nein, die Pille Danach wirkt nicht unabhängig vom Gewicht

Diesen Sommer wurden Vermutung publik, dass die Pille danach – zumindest jene mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, die demnächst auch Rezeptfrei in Deutschland erhältlich sein soll – ab einem Körpergewicht von 75kg nur noch eingeschränkt und ab 80kg gar nicht mehr wirken soll.
(*Gruselig, dass ich da als einzigen Link zu “repräsentativen Medien” via google einen Artikel der BILD finde. Die mädchenmannschaft hatte darüber berichtet, aber es für einen Seitenschlag auf PETA genutzt, was mich ehrlich enttäuscht. Sexistische Werbung von PETA kennen wir, aber der fatshaming Aspekt wäre der eigentliche Punkt gewesen.)

Daraufhin setzte sich die EMA – European Medicines Agency – hin und veranlasste Metaanalysen (statistische Auswertungen bereits erhobener Daten). Analysiert hatten sie zum einem die zwei Studien, die den Verdacht nahelegten, dass Levonorgestrel nur bis zu einem gewissen Körpergewicht wirken könnten, sowie drei weitere Studien von der WHO.

Ihr Urteil war, dass die Daten „inconclusive“ und nicht robust genug sein. Auf einen Effekt ließe sich nicht eindeutig schließen. Übersetzt heißt das, dass sie den Datensatz sehr pingelig gehandhabt haben.
Wenn man nicht Semester lang mit Statistik gequält wurde, dann mag einem das alles wie eine super objektive Wissenschaft vorkommen.
In Wahrheit ist es Magie.
Nicht in dem Sinne, dass es unerklärbar wäre, wie die Ergebnisse zustande kommen, sondern einfach, weil sehr viel getrickst wird. Je nach Formulierung der Hypothese kann mensch es leichter oder schwerer machen ein statistisch signifikantes Ergebnis zu bekommen, zum Beispiel.

Häufig wird auch versucht Aussage und Werte sehr kritisch und konservativ zu behandeln, damit kein Fehler 1. Art (den sogenannten Alpha-Fehler) gemacht wird. Also damit keine Hypothese angenommen wird obwohl sie falsch ist.
Aber in diesem Prozess macht man es Effekten sehr schwer eindeutig festgestellt zu werden, solange sie nicht so offensichtlich sind, dass sie einem quasi den Zaunpfahl über den Hinterkopf hauen.
Es hängt also auch gut und gerne davon ab, wie sehr [Organisation, Interessenverband, staatliche Institution] versucht einen Effekt NICHT zu finden.

Den zwei Studien gegenüber gestellt hatten die EMA drei Studien der WHO, wobei die Auswertung dieser Daten den Effekt nicht zu stützen scheinen.
Allerdings wurden die Daten der WHO nicht mit der Absicht gesammelt, auf so einen Effekt zu kontrollieren und die EMA erwähnt in Ihrer Metaanalyse, dass es nur eine beschränkte Zahl an Teilnehmerinnen gab, die in die Kategorien „75-79kg“ und „above 80kg“ fielen.
Ein wenig stutzig geworden, gerade von den Rückpfiffen auf vielen öffentlichen Seiten und der Aussage der EMA auf ihrer Webseite selbst, dass es keine Bedenken gäbe, was die Wirkung von Levonorgestrel bei Frau mit einem Gewicht von über 75kg angehe, hatte ich vor zwei Wochen der EMA geschrieben und meine Zweifel deutlich gemacht.
Interessanterweise bekam ich heute unter anderen folgende Antwort:
Please note that EMA did not conclude that the claim of reduced effectiveness of these contraceptives with increasing body weight is false, only that the data to support this claim are inconclusive. The product information for these contraceptives will be updated to inform women and healthcare professionals that there are inconclusive data indicating possible reduced effectiveness in women with high body weight or body mass index (BMI).

Vergleichen wir es mit dem Titel der entsprechenden Mitteilung der Webseite der EMA von Juli 2014:

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Ich weiß nicht, ob der EMA dabei bewusst war, wie unpassend und missleitend der Begriff “suitable” (angemessen/passend) in diesem Zusammenhang ist. Liebe EMA, lasst uns klar stellen: ein Auto ist für den Roadtrip nicht suitable, wenn es nicht mehr fährt.
Eine Pille danach ist als Mittel zur Notfallverhütung nicht mehr suitable, wenn sie keine Schwangerschaft verhindert.
Wenn man weiterliest erkennt man auch zum Ende hin – wenn man Statistik versteht zumindest – dass der Effekt nicht widerlegt wurde und ihm nicht per se widersprochen wird, sondern dass man nicht zu eindeutigen Schlüssen kam.
Was ungefähr so beruhigend ist, wie seinen Pep-Smear/Abstrich mit dem Ergebnis “nicht eindeutig” wieder zu bekommen. Wobei da zumindest zur Kontrolle ein zweiter gemacht wird.

Und was in diversen pharmazeutischen (Online-)Formaten an kam, war das hier:

Bildschirmfoto 2014-12-17 um 23.41.37

Ich gehe davon aus, dass diese Webseiten – die aber recht oben bei meiner google-Suche rauskamen, als ich vor Wochen “Pille danach Gewicht” in das Suchfenster eingab – alle keine RedakteurInnen mit wissenschaftlicher Bildung haben.

Und leider auch ProFamilia hat auf ihrer Webseite vermerkt, dass das Gewicht keine Rolle spiele.
Ich frage mich dann, was meine Frauenärztin mir erzählt, wenn ich demnächst darum bitte mir eine Pille danach mit einem anderen Wirkstoff quasi präventiv zu verschreiben. Denn eines ist mir klar: von der Rezeptfreiheit des Levonorgestrel-Präparats werde ich nicht profitieren.

Womit wir zu dem Punkt kommen müssen, an dem ich ziemlich pissed bin:

Ich (Körpergewicht knapp über 80kg) fühle mich mal wieder wie ein Mensch zweiter Klasse.

Aus vielen Gründen sollte ich sagen: Frau zweiter Klasse. Denn ich werde nicht nur im Gegensatz zu den meisten Männer wegen meines Gewichts ab- und auf Grund meines Geschlechts überhaupt sexuell bewertet, nein, jetzt muss ich auch noch die Gefahr eine Schwangerschaft in Kauf nehmen. (Jetzt sage bitte keine_r “Dann habe doch keinen Sex”. Oder schlimmer noch “Sei doch froh, wenn du überhaupt in die Kiste darfst”).

Scheinbar interessiert es niemanden, dass da eine ganze Gruppe von Frauen benachteiligt wird.
Gefühlt sind wir wieder bei der altbekannten „Na, ihr seid doch selber Schuld, esst doch mal weniger, macht mal Sport“ –Leier, mit der all die Diskriminierungen, die mensch als dicker Mensch hinnehmen muss, quasi als Konsequenz des eigenen Handelns dargestellt wird.

Aber ungewollt schwanger zu werden ist ein größerer Lebenseinschnitt als dumme Kommentare, abfällige Blicke oder schlechtere Jobchancen.
Es ist vor allem ein sehr messbarer Lebenseinschnitt.
Ich will das Resultat nicht Nachteil nennen, aber man hat auch Gründe sich für eine Pille danach zu entscheiden und gerade alleinerziehende Mütter zum Beispiel sind überrepräsentativ Armutsgefährdet.

Und selbst wenn es nicht zu einer Schwangerschaft kommt, das Wissen, dass man sie nicht verhindern kann wenn etwas schief geht, macht Angst.
Dieser gruselige Gedanke von „wenn jetzt das Kondom reißt“…. der lässt einen zumindest eher von One-Night-Stands zurück schrecken. Dabei können ONS eine coole Sache und ein wichtiger Teil sexueller Selbstbestimmung sein, an dem sich sicher jeden Tag viele Leute komplett sorgenlos erfreuen. Aber sie sind eben gerade die Art von Situation, in der man kein Kind zeugen möchte.

Ja, das Kondom würde wahrscheinlich nicht reißen. Abgesehen davon, dass sie das manchmal tun. Und die Konsequenzen sind nicht spaßig.

Aber was sage ich – man kann Kondome ja auch mit der normalen Pille kombinieren. Also wenn man nichts gegen die Nebenwirkungen hat, die zahllos sind, die Lebensqualität einschränken und dann häufig noch mal 3kg durch Wassereinlagerung auf die Knochen bringen. Sollte ich mich mit 80kg+ über drei zusätzliche Kilos aufregen? Nein. Aber ich weiß, dass es jeder zweite auf der Straße tun wird.
Jetzt wird die EMA also doch irgendwann auf die Beipackzettel schreiben, dass Gewicht eine Rolle spielt.
Das ist ein Anfang. Im Sinne der Aufklärung hätte ich es aber gut gefunden, wenn das sofort passiert wäre.

Aber leider wird es wohl auch genau da aufhören.
Keiner wird sich dafür einsetzen, dass der Effekt genauer untersucht und vielleicht umgangen wird.
Und ich kann mich immer noch ängstlich fragen, ob ich den heißen Kerl an der Bar, der mir gerade einen Kaffee gezahlt hat und fragt, was ich hier schreibe, demnächst mit nach Hause nehme.

Allein sein ist keine Einladung

Vor ein paar Monaten bin ich in ein WG-Zimmer im Erdgeschoss gezogen. Seitdem lebe ich mit Leuten, die einen flüchtigen Blick hinwerfen oder über mich lachen, wenn ich am Laptop arbeite (dieser Witz muss mich allerdings noch einholen). Ich habe eine alte Oma zusammen gestaucht, die an meinem Fenster unbedingt eine Pause machen musste und unbedingt mit den Händen ums Gesicht in mein Zimmer gucken musste. Als ich ihr nachrief, wie scheiße ich das fände, erklärte sie mir, dass ich mich nicht so haben müsse, so hübsch sei ich nicht. Na gut, danke. Diese alte Frau werde ich nicht richten, aber sie wird es auch nicht mehr wagen mich noch mal beobachten zu wollen.
Mit all dem konnte ich leben. Vielleicht, weil ich Mitleid mit dem Alter habe, vielleicht, weil ich um meine eigene Neugierde weiß und wie meine Augen zur Seite schweifen, wenn ich an einem interessanten Fenster vorbei komme.
Was keinen Spaß mehr machte war jedoch der Mann, der eben an mein Fenster klopft, während ich in Unterhose und Tshirt in meiner Kommode kramte. Seit einer Woche ist mein Rollladen kaputt und bleibt damit in der Position stecken, in der er zuletzt war – ca 30 cm davon entfernt komplett geschlossen zu sein. Damit bin ich nicht voyeuristisch veranlagt, sondern einfach zu faul jedes mal ein Laken oben in die Fassung zu klemmen, wenn ich beschließe für fünf Minuten meine Beine zu zeigen. Es bedeutet aber auch, dass jeder Mensch durchschnittlicher Größe sich bücken muss, um in mich zu bespannern.
Dieser Mann schien jedoch vollkommen bereit sich die Mühe zu machen. Er schien sich auch nicht zu schämen, sonst hätte er auch nicht geklopft. Im Gegenteil. Er beutete mir, das Fenster zu öffnen, machte erst mit deiner Hand einen plappernden Mund und dann anzügliche Gesten. Ein komplett fremder Mann, den ich nicht kannte, nie gesehen hatte, fand es legitim mich durchs Fenster hinweg in meinen eigenen vier Wänden zu begaffen und zu belästigen- als gäbe es keine Pornos im Internet; als hätte ich mich halb ausgezogen, um ihm zu gefallen – das ist ein absolut verstörendes Gefühl, das einen so beschämt zurücklässt, dass man lieber schnell aus dem Zimmer geht als zu konfrontieren.
Es lässt mich an all die Male denken, die es zu abwegigen Zeiten an meinem Fenster klopfte und ich einfach tiefer ins Bett rutschte, um nicht interagieren zu müssen. Den Kopf unter die Decke, um Privatsphäre zu erhalten und nicht mitzukriegen, wer mich da belästigt.
Dieses Verhalten steht im krassen Gegensatz dazu, wie ich mich fühle, wenn ich nicht alleine in meinem Zimmer bin. Denn sein wir ehrlich – ich hatte schon am helllichten Tag Sex in diesem Zimmer, mit den besprochenen 30 cm Spielraum beim Rolladen. Wie gesagt auf einer Höhe, die dafür prädestiniert ist, dass mein Vanillasexleben 10jährige verschreckt. Aber zum einem passiert es nie, weil sich wenig Leute den Kick geben müssen gebückt in jedes Fenster zu schauen. Zum anderen fühlt es sich sicherer an, wenn mein Freund dabei ist. Ich denke, dass niemand (außer den besprochenen 10jährigen vielleicht) es wagen würde dann zu klopfen und ernsthaft anzügliche Gesten zu machen.
Es scheint einen grundsätzlichen Unterschied an diesen Situationen zu geben: dem einfachen Umziehen und dem durch-gerammelt-werden – und ich meine keinen qualitativen. Nein, dieser Unterschied besteht darin, dass ich in der einen Situation als Frau alleine war.
Auf einmal befinden wir uns wieder auf der Ebene, wo man weiß, dass man den nervigen flirtenden Kerl besser erzählt, man sei vergeben, weil es die einfachste Methode ist ein “nein” wirkungsvoll zu machen. Die Zugänglichkeit meines Körpers ist davon abhängig, ob ein Mann bereits einen “Besitzanspruch” oder zumindest einen “Benutzungsanspruch” darauf hat. Das ist grundsätzlich verkehrt. Grundsätzlich verkehrt ist auch, dass ich diesen Blogartikel im Dunkeln tippe, weil ich mich direkt nach der Erfahrung nicht traue das Licht anzumachen. Er könnte ja zurück kommen.
Ich erwäge einen Schriftzug an meine Scheibe zu kleben:
“Its not performance art, its my life”
Es klingt aber eher so, als würde es dann demnächst mit meiner Adresse auf einem Streetart-Tumbler oder Krautchan landen.
Also doch die Milchglasfolie, die meine Mutter mir vorgeschlagen hatte, ich aber so rigoros ablehnte, weil ich die Möglichkeit rauszugucken nicht verlieren wollte.
Die Menschen, die spannern kann ich nicht so einfach verändern.
Also ergibt sich jetzt eine schöne Metapher, die man gerne weiter sehen kann: um nicht belästigt zu werden, opfere ich meine gute Aussicht(en).

Creeper Cards are not about the asshole’s feelings

Die Diskussion um die die Creeper Cards des letzten Kongresses kommt natürlich wieder auf.
Ich habe vielen Leuten wegen meiner rigorosen Meinung inzwischen versprochen diese doch mal zu verbloggen – voila!
Die Geschichte ist einfach: Creeper Cards werden von einer gewissen Seite kritisiert (oder eher: verarscht), weil sie nicht das Gespräch zwischen den beteiligten Fronten fördern. Dieses Argument ist ganz ehrlich privilegierte Drecksscheiße.
Denn reduziert man die Situationen, in denen sie verteilt werden, dann passiert da folgendes:
Jemand belästigt eine Person. Diese fühlt sich sehr unwohl, kann sich evtl nicht mit Worten oder selbstbewussten Taten wehren.
(Belästigungen finden häufig in einem Machtgefälle statt – wie können wir erwarten, dass eine Person, die per Situation unterlegen ist sich in diesem Moment wehren kann. Besonders, wenn es wieder passiert. Und wieder. Und wieder.) Die Karten sind eine leichte Methode ohne Worte und vermeintlich sozial anerkannt (wenn sie auf dem Kongress verteilt werden, war ihnen eine gewisse soziale Funktion zu gedacht), klar zu machen, dass man sich unwohl fühlt. Das Ziel dieser Karten ist für die Person aus der Situation zu entkommen, die ihr unangenehm ist. Damit geht die Kritik, sie würde nicht genug erklären oder Diskussionen anregen, komplett unsinnig. Ein Gespräch fällt der betroffenen Person ja durch das Machtgefälle schwer. Außerdem geht es bei dieser Kritik sicher nicht darum, Diskussionen zu ermöglichen – es geht um die Gefühle der Übergreifenden. Dass sie ja nicht wissen können, was sie falsche gemacht haben (wobei die Karten da ja hinweise geben) – wahrscheinlich auch, dass sie sich nicht rechtfertigen können.
Und verzeiht den Vergleich, aber ich denke nicht, dass manche es anders verstehen – fragen wir nach den Gefühlen und Gründen von Vergewaltigern? Stellen wir sie mit ihren Opfern in einen Raum, damit es sich anhören muss, wie es vielleicht Unrecht damit hatte sich vergewaltigt (hier also belästigt) zu fühlen. Nein, tun wir nicht. Wir begreifen, dass es in solchen Fall darum geht, das Opfer zu schützen. Wenn es anfängt sich rechtfertigen zu müssen (war der Rock zu kurz?), dann erkennen wir das als Victim Blaming.
Warum nicht auch im Fall der Creeper Cards?
Warum begreifen die Menschen, die Kritik daran üben nicht, dass es nicht um sie geht. Nicht um ihre Gefühle und Unzulänglichkeiten? Sondern um den Schutz von Leuten, die sich unwohl fühlen und allein durch das Gefühl das Recht dazu haben in Ruhe gelassen zu werden.
Dieser Kritikpunkt kommt aus einer enorm privilegierten Ecke und er widert mich an.

Wenn es Bedarf daran gibt zu verstehen, was man in Sachen Übergriffigkeit so alles falsch machen kann, dann lassen sich bestimmt Kurse organisieren, die sensibilisieren.
Aber trotzallem akzeptiert man den körperlichen und Erlebensraum von anderen Menschen.
Man akzeptiert, wenn sie sagen “Ich will das nicht” – egal ob mit Karten oder mit Worten.

Social Injustice and the Spunk

Dass soziale Gerechtigkeit noch lange nicht erreicht ist, wissen wir alle. Genug Studien zeigen auf, dass Kinder aus sozial schwachen oder bildungsfernen Haushalten seltener das Abitur meistern oder ein Studium beginnen, als ihre bildungsbürgerlichen Counterparts. Die naheliegende Annahme wäre, dass sich aus ihrer “schlechten” Situation heraus ein Ressourcenmangel ergibt – sei es nun weil sie weniger Input und Hilfe von ihrem direkten sozialen Umfeld erwarten können, Nachhilfe sich nicht geleistet wird oder es generell mehr Probleme gibt, neben denen Schule notgedrungen unter den Tisch fallen.

Ein weiterer Faktor könnte jedoch sein, dass Stress tatsächlich vererbbar ist. Oder genauer gesagt – der Stress, den eine (biologische) Mutter während der Schwangerschaft erfährt, wirkt sich direkt auf das Kind aus. Dieser Teil ist naheliegend, da wir uns vorstellen können, wie direkt die betreffenden Stresshormone involviert sind und sich auf den Fötus auswirken können.
Ein Stückchen abstrakter klingt aber die Aussage, dass der Stress, den ein Mann erfährt – zu jedem Zeitpunkt vor der Zeugung – sich auf die Qualität seines Spermas auswirkt. Tatsächlich führt Stress aber zu einer Änderung auf der Ebene der MicroRNA eines Mannes – oder einer Studie zufolge zumindest zu Änderung des Spermas von Mäußerichen. Da Mäusehirn und Menschenhirn jedoch gut vergleichbar sind, lassen sich hieraus Schlüsse auf unser humanoides Spermium schließen.
Grob gesagt: Wenn ein Mann viel Stress in seinem Leben erfährt, ändert es sein Sperma so, dass das daraus entstehende Kind eine niedrigere Stresstoleranz entwickelt und anfälliger für psychische Störungen ist. Genauer wirkt es sich auf den neuronalen Aufbau aus und führt dazu, dass Hypothalamus und Hypophyse (die in vielen Punkten oberste Instanz der Hormonregulation sind) das Stresshormons Cortisol in einer Menge ausstossen lassen, die medizinisch gesprochen dysfunktional ist. Mit ungewöhnlichen Cortisolspiegeln lassen sich u.a. Depressionen und Schizophrenie verbinden.

Da Menschen mit niedrigen Einkommen (und dies häufig korrelierend mit niedrigen Bildungsabschluss oder psychischen Störungen) meiner Meinung nach durchschnittlich mehr Stress ausgesetzt sind, als Menschen mit einer sicheren finanziellen Versorgung, verstärkt sich als der zuvor angeschnittene Aspekt der sozialen Ungerechtigkeit – die Kinder, die von diesen Männern gezeugt werden, haben sowohl sozial schlechtere Startbedingungen, als auch biologisch – denn sie neigen dazu schlechter mit Stress umgehen zu können und sind anfälliger für psychische Störungen und verfügen damit wahrscheinlich nur bedingt über die Anpassungsmechanismen, die es bedarf, um in unserer Gesellschaft erfolgreich zu sein oder nur zurecht zu kommen.
Unter diesem Aspekt (aber auch unter vielen anderen) sollte mensch seine eigene Perspektive auf soziale Gerechtigkeit reflektieren – es darf nicht nur darum gehen jedem augenscheinlich die gleichen Chancen zu gewähren, sondern auch darum Nachteile konkret zu erkennen und die benachteiligten Gruppen aktiv zu fördern und diese Nachteile auszugleichen.
Im Kapitalismus geht das natürlich nicht.😦

Eure Blicke sind meine Waage

Riotmango erwähnte in ihrem Blogpost, dass sie gerne mehr Stimmen von dicken_fetten Leuten hören möchte. Ich weiß nicht, ob ich dazu gehöre. Ich weiß nur, dass mein BMI mich als übergewichtig definiert und alte Frauen auf der Straße meine Schenkel kommentieren. Riotmangos Blogpost bezieht sich auf die Twitter-Aktion #waagnis in dem Menschen dazu aufgefordert werden für den Kampf gegen Fat Shaming ihre Waage aus dem Fenster zu werfen.
Ich habe nun von vornherein keine Waage, aber es macht mich nur bedingt glücklicher.
Es gibt zu viele Dinge, die mich in der Öffentlichkeit oder durch die Medien in den eigenen vier Wänden davon überzeugen, dass ich nicht dünn oder normschön bin.
Die Tatsache, dass ich in vielen Klamottenläden keine Hosen kaufen kann, bei Kleidern oder Oberteilen immer das größte raussuchen muss und so Angst bekomme vor den Zeiten, wo ich noch mehr wiege. Weil ich älter werde, mehr esse, vielleicht Kinder bekommen habe. (Life happens). Kommentare auf der Straße, die finden, dass meine kurzen Hosen Augenkrebs verursachen.
Dass ich mich zwar wage kurze Hosen oder Rücke zu tragen, dies aber immer mit einer Strumpfhose, egal wie warm es draußen sein mag. Auch dumme Anmachsprüche, die meinen Hintern dick und geil finden, nerven mich – denn dafür ist er auch nicht da.
Eine Waage wegzuschmeißen bringt mir also nichts. Es beendet nicht die Diskriminierung.
Und wo ich eben selber nur ein paar Probleme mit meinem Gewicht habe, nervt mich diese Diskriminierung. Mich nervt das Wissen, dass egal, wie wohl ich mich mit meinem Gewicht fühle (es gibt da schwankende Tage und Phasen, aber ich kann es durchaus akzeptieren), ich immer Diskriminierung deswegen erfahren werde.
Mich nervt die Angst, die sich dadurch aufbaut.
Das darüber Nachdenken, was ich anziehe, wie die anderen Leute aussehen die da hingehen (ich überlegte beim Unisport mal Ballett zu machen, aber mich mit schlanken Hipster-Mädchen in einen Raum zu stellen würde zu viele Komplexe hervor rufen), wer mich sexy finden könnte.
Ich gehe nicht davon aus, dass ich unattraktiv bin. Aber ich vergleiche die Mädchen, die ein Mann haben könnte mit mir und finde dann keinen Grund mehr, warum er mich wollen sollte.
Und wenn ich an einer Frau Interesse habe, dann vergleiche ich mich mit ihr und wie fett ich neben ihr wirken würde.  Da hat sie es also geschafft, die liebe Gesellschaft, dass ich mich selbst reduziere. (Auch, dass ich hier auf das Geschlecht reduziere, aber Körperlichkeiten misst man an Körperlichkeiten.😦 ).
In letzter Zeit gibt es ein paar kleine Perlen in meinem Leben – ein paar Leute auf facebook, die eindeutig fat positiv sind. Ich liebe sie und teile ihre Sachen.
Ich rege mich auf über all die Scheiße, die einem wegen Gewicht erzählt wird. Über jede Serie, in der das dicke Mädchen maximal mit dem dicken Jungen zusammen kommt.
Aber so sehr ich auch dafür kämpfe, dass sich etwas ändert – ich fühle mich manchmal schlecht dabei. Ich möchte verdrängen, dass ich nicht dünn bin. Es fällt mir leichter für Feminismus und gegen Rassismus zu kämpfen, denn Geschlecht und Hautfarbe kann man sich nicht aussuchen. Man ist nicht Schuld.
Aber wenn es um Körperfett und Gewicht geht, dann wird einem auf allen Seiten suggeriert, dass man es sich aussuchen könne. Man tritt dicken_fetten Menschen nicht mit einer Erwartung bezüglich ihrer Charakterzüge entgegen, wie in vielen anderen Fällen von gruppenspezifischer Diskriminierung (Frauen sind hysterisch, Menschen mit Migrationshintergund kriminell), man schreibt ihnen eine gewisse Lebenseinstellung zu. Faulheit, das Setzen von falschen Prioritäten. Und dadurch eben den Unwillen, sich aus der eigenen Lage zu befreien. Als hätte man sich das, samt all der Diskriminierungen selbst ausgesucht. Oder als wären all die Diskriminierungen nur dazu da uns an einen Punkt zu bringen, an dem wir uns so unwohl fühlen, dass wir unser Gewicht von uns aus ändern wollen. Aus der Sicht vieler Menschen sind ihre Aussagen bestimmt Teil des Weltverbesserungsprogramms. Und Weltverbesserung meint bei ihnen Weltverschönerung.
Im wörtlichen Sinne.

Why I’ll never regret kicking Fuck For Forest of the Slutwalk

In 2011 I was part of the Slutwalk Berlin Prepteam and the official person leading the walk, thus contact to the police. In this postion I got into an argument with some people of Fuck For Forest. There had been complaints by several people of the prepteam. Fuck For Forest had been handing out flyers and had a poster advertising their organisation, but as a prepteam we had ruled out any advertising on the walk.
This desicion was my motivation in asking Fuck For Forest to either leave or take down their sign and to participate as individuals.
Nevertheless I felt bad for quite a while for having treated them so harshly. I had not known about Fuck For Forest when I encountered them and afterwards felt I might have been mistaken in banning their posters. After all they were sex-positiv and cared for the environment. Though I must emphasize that sex-positivity, though important to us, was never our main subject in the 2011 Berlin Slutwalk (2012 might be a completely different case). We had always aimed to put rape culture into the focus. But eventhough I felt I might have been wrong in how I acted against Fuck For Forest, there was never an apology issued. (And right now I am quite glad about it.)
In 2012 I was approached by a production company working on a documentary on Fuck For Forest and asked to permission to use video material of my interaction with them on the Slutwalk Berlin. I permitted it which is why I was invited to attend the movies premiere last night.
Though the movie was interesting in some aspects there have been several points in which it has made me believe that Fuck For Forest might be lovers of sex and nature, but not necessarily of equality and feminism.
There are two scenes which have made me swallow.
In one scene a female member of FFF is shown after she left a shooting (which must have been sexual) prematurely, claiming that she just couldn’t do it with ‘them’. A male character called Dany follows her and accuses her of being unstable (though the subtitles use “unzuverlässig”/unreliable). So there is basically a woman, not wanting to have sex with some strangers, because she feels uncomfortable about it and is therefore accused of being unstable (pretty close to “hysteric”, which I hate and which puts women down as purely emotional, non-rational human beings) and unreliable. It is made clear, that he doesn’t care about her feelings and that she needs to legitimize her desicion. Obvious rape culture to me.
The other scene I found sickening when the female companion of group leader Tommy is introduced. The narrator tells the audience, that she wanted to fly back to India, but was kidnapped by Tommy and *then* convinced to not go back. (Yes, they used the word kidnapped). Well, clearly they couldn’t rely on just convincing her *before* she wanted to leave, so she could make up her own mind. Why, you ask? Because women don’t get to have a will of their own, duh.
The movie goes on with them flying to South America to offer a tribe money so they could buy the land they are living and depending on (which the tribe refused) and they quite raceisty called them ‘Indians’ repeatedly. And well, I wouldn’t know what to call them either, but if I intended on going there I would try to find out so I wouldn’t offend anyone.

My evening concluded with the intention to go to the aftershow party of the movie, which was hosted by the KitKat Club. I had heard about the KitKat of course (sex!), but I was sure they wouldn’t sex up this party to much. After all the audience at the movie premiere at Freiluftkino Kreuzberg was mostly your average hipster-student. But alas, I never made it into the club, because at the door it was made clear to me, that I wouldn’t get in unless my male friend and I were willing to take of our tops. Me pointing out that I just wanted to go to the movie’s aftershow party got me the reply that this was a sex club and the Fuck For Forest movie porn.
Well, I hadn’t noticed.
But I don’t think that a group that thinks it’s okay that I need to show my boobs to take further interest in them, that their female members shouldn’t decide when to have sex and who with and that kidnaps women ‘for their own best’ should ever attend a Slutwalk.
Never fucking-ever.

Beware Jeffries, fat chicks might be naked soon.

Abercrombie and Fitch CEO Mike Jeffries scheint verantwortlich für die Tatsache, dass die amerikanische Modemarke Kleidung ausschließlich bis Größe L oder 10 produziert.
Wie der Blog Elite Daily schreibt soll er bereits 2006 das exklusive Ansprechen “von schönen Menschen” als Marketingtrategie verkauft haben. Die “coolen” Kids wolle er erreichen.
Damit scheinen für ihn Menschen ab einem gewissen Körperumfang ausgeschlossen.
Lassen wir mal weg, dass jemand, der eine XL oder 10 trägt auch im neutralen Sinne des Wortes nicht als dick zu beschreiben ist, ist die zu Grunde liegende Aussage – nämlich dass “dicke” Menschen nicht cool und schön sein können – absolut daneben.

Mich persönlich kotzt es in Deutschland schon an, dass man als Mensch aber einer gewissen Größe fast zu Jogginghosen und Schlabbersachen verdammt ist. Gut, man hat schon Möglichkeiten schöne Sachen zu finden, aber man wird dann auch ab und an entsprechend kommentiert, wenn man sich mit kurzer Hose oder körperbetonter Kleidung auf die Straße traut.  (Einem Mädchen bescherte ich letztens wohl Augenkrebs).
Die Gesellschaft findet es okay “dicke” Menschen zurecht zu stutzen, unabhängig davon, dass blöde Kommentare schlechter helfen, als simple Akzeptanz. (Und warum helfen überhaupt? Es ist nichts falsch).
Aber natürlich (!!!!) geht es Jeffries bestimmt nicht darum dicke Leute auszugrenzen und schlechter zu machen, es geht ihm nur darum, die dünnen besser da stehen zu lassen.
Innerlich hoffe ich ein wenig, dass eine konkurrierende Modekette das ganze aufgreift und eine Gegenkampange mit dicken coolen Leuten macht. (Ehrlich, wo ist die Werbung für “Übergrößenmode bei H&M?).
Alternativ kann es aber auch gerne ein Paralleluniversum geben, in dem Abercrombie and Fitch alleine den Markt dominiert und diese Menschen mit dem Hüftspeck, das Jeffries so scheut, aus Mangel an Kleidung nackt herum laufen. Bevorzugt vor seinem Fenster.
Ich weiß, ich hätte kein Problem damit.

Trotzdem finde ich es doof, dass Sean Levinson als Autor  des post im Elite Daily Jeffries auf so oberflächliche Weise beleidigt.
Die Unterstellung, er sei so sehr darauf bedacht sich nun mit Coolness zu umgeben, möge daran liegen, dass er wegen seines eigenen Aussehens niemals in der in-crowd war, ist grundsätzlich unfair.
Der Mensch redet einfach unabhängig von seinem Erscheinen Blödsinn und ich wünschte Kritik würde sich ausschließlich darauf beziehen.